Was kommt als nächstes?

Die ukrainische Anti-Terrorismus Operation (ATO) ist in den letzten 10 Tagen – trotz vielen Verlusten – recht erfolgreich damit gewesen, besetzte Gebiete zurückzuerobern. Viele Separatisten haben daraufhin beschlossen unterzutauchen (nach Russland können sie im Normalfall nicht zurück, sie werden getreu den Methoden der NKWD an der Grenze erschossen). Russland reagierte wie gewohnt: Es wurden noch mehr Kämpfer, militärische Fahrzeuge und weiteres Gerät  in die Ukraine eingeschleust – allein in der Nacht auf Sonntag gegen 100 Einheiten, darunter auch Panzer. Dazu wurden ukrainische Militärposten von Russland aus beschossen.

Die Ukrainer bleiben starrköpfig. Der ukrainische Präsident Poroshenko wollte nichts mehr von einem Waffenstillstand wissen (er würde einer Kapitulation gleichkommen) und sich auch nicht in Brasilien am Rande des WM-Endspiels mit dem russischen Präsidenten zu Gesprächen treffen. So nahm Russland den Einschlag einer Rakete auf russisches Territorum zum Anlass, seine Rhetorik zu verschärfen. Der Angriff sein ein weiterer Akt der Aggression von Seiten der Ukraine gegen souveränes russisches Gebiet und gegen die Bürger der Russischen Föderation. Dieser Vorfall könne irreparable Konsequenzen haben.

Für das einheimische Publikum wird die kontinuierliche Drohkulisse aufrechterhalten: Amerika, die NATO und vor allem die Ukraine wollen uns zu Boden (=zu einem Krieg) zwingen. Nun sind auch noch Raketen aus der Ukraine auf russisches Territorium abgeschossen worden! Und das nachdem laut russischer Propaganda das ukrainische Militär die (russische/russischsprachige) Zivilbevölkerung im Donbass systematisch unterdrückt, Wohnhäuser und Fabriken beschiesst, Brücken sprengt und Hunderttausende zur Flucht zwingt.

In Wirklichkeit handelt es sich um Terroranschläge der Separatisten bzw. russischer Geheimdienstmitarbeiter und viele der Flüchtlinge fahren nun im Sommer zu Verwandten nach Russland – die aktuellen Flüchtlingszahlen, sickern aber hier und dort in den russischen Medien durch (einige zehntausende, was auch nicht wenig ist).

Die russische Strategie bleibt die gleiche: die Situation noch weiter zu verschärfen – dazu drohen die russischen Truppen weiterhin an den russisch-ukrainischen Grenzen, dazu gab es Versuche im ukrainischen Hinterland Terror zu verbreiten, u.a. in Odessa, Kharkiv und in Dnipropetrovsk. Gleichzeitig ist man nicht gezwungen, allzu hektisch zu reagieren: Die Ukrainer sind zu schwach, den Konflikt auf die Schnelle militärisch zu lösen, denn dazu bräuchte es viel mehr Spezial– und Antitterroreinheiten mit besserer Ausrüstung. Die Europäer haben sich in eine Verhandlungsstrategie geflüchtet, die die Ukraine als Objekt und nicht als gleichberechtigten Partner behandelt. Falls man Sanktionen verhängen würde, dann müsste man der Ukraine einen besseren Status zugestehen und wohl auch gleichzeitig anerkennen, dass Russland einen Krieg gegen die Ukraine führt. Die Amerikaner sind an anderen Fronten beschäftigt.

In dieser Situation kann die russische Seite die Grenze des Möglichen immer weiter herausschieben. Dass ständig russisches Militärmaterial, Kämpfer und Geheimdienstler in die Ukraine einsickern ist nie auf grösseren Protest ausserhalb der Ukraine gestossen. Gut möglich, dass das auch mit gezielten Militärschlägen (so wie die Bombadierung von Snizhne am 15. Juli) oder auch „Friedenstruppen“ klappt. Im Moment bietet sich eine Wiederholung des Slavyansk-Szenarios an und russische Spezialeinheiten stehen bereit.

Die Ukrainer rechnen mit diesem Teil des Szenarios. Russland sah sich heute zum zweiten Mal genötigt, Invastionspläne abzustreiten. Auch wenn die Infiltrierung von Spezialtruppen keine Invastion per se ist, sollte klar sein, dass offizielle russische Deklarationen nichts taugen und dass Russland einen Krieg mit modernen Mitteln führt.

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